Ein Abend mit Marco Müller beim 40. Schleswig-Holstein Gourmet Festival

27. Oktober 2026

Drei Sterne in Timmendorfer Strand

Draußen zeigte sich der Herbst von seiner norddeutschen Seite. Drinnen in der Orangerie des Maritim Seehotels in Timmendorfer Strand stand ein langer Abend mit anspruchsvoller Küche, ausgewählten Weinen und vielen spannenden Kombinationen bevor. Zum 40. Schleswig-Holstein Gourmet Festival war Drei-Sterne-Koch Marco Müller vom Berliner Restaurant Rutz zum mittlerweile fünften Mal zu Gast.


Das Konzept des Abends: Marco Müller und sein Team steuerten den Auftakt und zwei Gänge bei. Darauf aufbauend entwickelte das Team der Orangerie die weiteren Gerichte. So entstand ein Menü, das unterschiedliche Handschriften zusammenbrachte und trotzdem einen roten Faden hatte.


Der Auftakt mit Champagner

Zum Empfang gab es Champagner Lanson Black Label Brut und verschiedene kleine Häppchen aus den Küchen der Orangerie und des Rutz. Besonders die Kombination aus Granny Smith, Gurke und Meerrettich blieb mir in Erinnerung. Ein feines Gel platzte beim Essen im Mund auf und sorgte für eine leichte, frische Säure. Ein sehr präziser Auftakt, der Lust auf die folgenden Gänge machte.

Carabinero, Kalb und Imperial-Kaviar

Das Amuse begleitete ein 2025 Navicchio, Offida Pecorino DOCG von Il Conte Villa Prandone aus den Marken. Der Wein zeigte sich frisch und leicht mineralisch, mit Aromen von grünem Apfel.


Dazu kamen Carabinero und Kalb, ergänzt durch Imperial-Kaviar, knusprigem Kartoffelchip und Schnittlauch. Der intensive Sud verband die einzelnen Komponenten wunderbar und brachte Tiefe ins Gericht, ohne dabei die feinen Aromen zu überdecken. Ein stimmiger Start in das Menü.

Hamachi, Meerrettich und Tagetes

Der erste Gang aus der Küche von Marco Müller und seinem Team kombinierte rohen Hamachi mit Meerrettich und Tagetes. Dazu gab es Schweinezunge und knuspriges Schweineohr. Die Zunge brachte eine würzige Note mit, das Schweineohr sorgte für den nötigen Crunch. Eingelegte Fichtensprossen setzten einen überraschenden Akzent.


Auch die Weinbegleitung war ein Highlight: ein 2024 Bouzeron blanc aus Aligoté von Domaine de Villaine im Burgund. Frisch und würzig, mit Grapefruit und einer leicht salzigen Mineralität. Der Wein passte hervorragend zum Fisch und zum Meerrettich. Für mich war es einer der überzeugendsten Weine des Abends.


Der Gang zeigte außerdem, wie sich Nose-to-Tail-Gedanken auch in einer anspruchsvollen Küche umsetzen lassen. Unterschiedliche Teile des Tieres wurden so eingesetzt, dass sie geschmacklich und in der Textur jeweils einen eigenen Beitrag leisteten.

Dänischer Kaisergranat mit Kürbis

Beim nächsten Gang stand dänischer Kaisergranat im Mittelpunkt. Dazu gab es saisonalen Kürbis in unterschiedlichen Texturen, Reiscreme, Thai-Basilikum und frischen Ingwer. Reis-Crisps brachten einen knusprigen Kontrast. Der Ingwer setzte einen leichten Schärfepunkt, während der Kürbis dem Gericht eine angenehme Süße gab.


Im Glas war ein 2024 „Steinmauer“ vom Weingut Korrell an der Nahe, eine Cuvée aus Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay. Die Kombination war interessant und harmonierte gut mit dem Gericht. Der Chardonnay trat für meinen Geschmack allerdings etwas zu deutlich hervor.

Schmorgurke und Nordseemuschel

Mein persönlicher Favorit des Menüs folgte mit Schmorgurke, Nordseemuschel und Salzkräutern. Der Sud war ausgesprochen intensiv und schmeckte, als hätte er viele Stunden Zeit bekommen, um seine Aromen zu entwickeln. Die besondere Tiefe brachte ein eher unscheinbarer Bestandteil: geräuchertes Muschelpulver.


Die Weinbegleitung war ein 2024 Langhe Bianco von Luca Roagna aus dem Piemont, eine Kombination aus Chardonnay und Nebbiolo. Der biodynamisch erzeugte Wein wird in alten Holzfässern ausgebaut; die Produktion liegt bei höchstens 6.000 Flaschen pro Jahrgang (eher weniger). Im Glas zeigten sich Zitrusfrüchte, Stachelbeere und eine feine Mineralität.


Obwohl Chardonnay sonst nicht zu meinen bevorzugten Rebsorten gehört, überzeugte mich dieser Wein.

Wagyu A5 mit schwarzem Trüffel

Beim Hauptgang stand japanisches Wagyu A5 auf dem Programm. Das Fleisch wurde kurz angebraten, dazu kam geschmorte Schulter mit schwarzem Trüffel. Die Schulter fand sich außerdem als Füllung in einem Raviolo wieder. Kapuzinerkresse und eine kräftige Sauce ergänzten das Gericht.


Die unterschiedlichen Zubereitungen sorgten für Abwechslung, ohne das Produkt aus dem Mittelpunkt zu nehmen. Gerade die geschmorte Schulter brachte eine kräftige, fleischige Komponente ins Spiel.


Dazu wurde ein 2023 WWWine aus der Rebsorte Cesanese von Fattoria Federici ausgeschenkt. Der Wein zeigte intensive Kirschfrucht, etwas Cassis und würzige Noten. Trotz seines jungen Alters hatte er bereits kräftige Tannine im Abgang. Ein Wein mit Struktur und sicher noch Entwicklungspotenzial.

Himbeere, geeiste Ziegenmilch und Riesling

Den Abschluss bildeten Himbeeren in verschiedenen Texturen, gefrorene Buttermilch und geeiste Ziegenmilch. Die deutlichen Zitrusnoten gaben dem Dessert Frische und ergänzten die Frucht, ohne sie zu überlagern.


Dazu gab es einen 2024 Josephshöfer Große Lage Riesling Kabinett feinherb vom Weingut Reichsgraf von Kesselstatt von der Mosel. Die Lage ist dabei von sehr steilen Hängen geprägt. Im Wein fanden sich gelbfleischige Fruchtaromen, etwa Aprikose, dazu etwas Apfel und eine feine Mineralität. Ein passender Abschluss, der das Menü nicht zu schwer ausklingen ließ.

Was kostet so ein Abend beim Schleswig-Holstein Gourmet Festival?

Der Abend in der Orangerie kostete 299 Euro pro Person inklusive Weinbegleitung. Das ist kein kleiner Betrag. Für die Qualität der Küche, die aufeinander abgestimmten Weine und die Dauer des Abends von mehr als fünf Stunden fand ich den Preis aber absolut gerechtfertigt. Los geht es in anderen Häusern bereits ab 150€ pro Person. 


Das Schleswig-Holstein Gourmet Festival bringt seit 1987 renommierte Gastköche aus dem In- und Ausland mit ausgewählten Restaurants und Hotels im Norden zusammen. Von der Nordsee bis zur Ostsee entstehen dabei besondere Menüs, die oft nur an einzelnen Abenden serviert werden. Jede Küche bringt ihre eigene Handschrift ein, dazu kommen abgestimmte Weinbegleitungen und der Austausch zwischen den Gastköchen und den Gastgebern vor Ort. In der Saison 2026/2027 feiert das Festival sein 40-jähriges Bestehen.

Die nächsten Termine

Wer selbst einen Abend beim Schleswig-Holstein Gourmet Festival erleben möchte, hat in den kommenden Wochen weitere Gelegenheiten. Am 7. und 8. November 2026 stehen Termine in der Küstenperle in Büsum an, am 21. und 22. November 2026 geht es in die Gutsküche Wulksfelde. Auch im Jahr 2027 gibt es noch einige Termine, dabei freue ich mich schon sehr auf das Menü im Romantikhotel Waldschlösschen in Schleswig am 23. & 24.1.2027.


Alle Termine und Informationen gibt es auf der offiziellen Website: gourmetfestival.de.


Für mich war der Abend in der Orangerie vor allem wegen der Kombination aus regionalen Produkten, handwerklich präziser Küche und einer abwechslungsreichen Weinbegleitung mehr als gelungen. Besonders die Schmorgurke mit Nordseemuschel und der Aligoté werden mir in Erinnerung bleiben.


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